Die Frage „Würde es mich überraschen, wenn dieser Patient in den nächsten 12 Monaten stirbt?“ zielt darauf ab, Patienten mit hohem Sterberisiko zu identifizieren, die von der Palliativmedizin profitieren könnten. Aber wie zuverlässig ist diese subjektive Einschätzung?
Ein Systematic Review (2017) analysierte 17 Studien zu diesem Thema. Das Ergebnis zeigte eine Sensitivität von 67% und eine Spezifität von 80%. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die „Überraschungsfrage“ eine geringe bis mittlere Genauigkeit bei der Vorhersage des Todes innerhalb der nächsten 12 Monate hat. Sie betonten jedoch, dass diese Frage weder „gut“ noch „schlecht“ ist, sondern durch klinische Indikatoren ergänzt werden sollte (was einige Palliativpflege-Scores bereits tun).
In einer älteren BMJ-Studie (2000) wurden 343 Ärzte dazu befragt, wie lange 468 unheilbar kranke Patienten (zum Zeitpunkt ihrer Hospizüberweisung; Durchschnittsalter 69 Jahre) voraussichtlich leben würden. Die tatsächliche durchschnittliche Überlebenszeit dieser Patienten betrug 24 Tage. Obwohl erfahrene Ärzte genauer waren, lagen die meisten dennoch daneben:
Fazit:
Die „Überraschungsfrage“ ist einfach und schnell, aber sie ist oft ungenau. Es scheint, dass wir Ärzte nicht besonders gut darin sind, das Sterberisiko intuitiv einzuschätzen, und wir neigen dazu, zu optimistisch zu sein.




