{"id":5609,"date":"2024-04-08T16:19:46","date_gmt":"2024-04-08T14:19:46","guid":{"rendered":"https:\/\/family-medicine.org\/blog\/warum-die-meisten-aerzte-sich-im-umgang-mit-fettleibigkeit-irren\/"},"modified":"2025-11-16T12:58:34","modified_gmt":"2025-11-16T11:58:34","slug":"adipositas_management","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/family-medicine.org\/de\/adipositas_management\/","title":{"rendered":"Was alle \u00c4rzte \u00fcber Adipositas wissen sollten"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"5609\" class=\"elementor elementor-5609 elementor-4741\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-3e926c62 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"3e926c62\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-274174e9\" data-id=\"274174e9\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-ece2bc6 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"ece2bc6\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Wir alle wissen, dass Adipositas sch\u00e4dlich ist und dass es schwierig ist abzunehmen. Das ist frustrierend, f\u00fcr Haus\u00e4rzte und f\u00fcr unsere Patienten. Ich glaube jedoch, dass dies <em>leicht<\/em> zu vermeiden w\u00e4re&#8230;<\/p><p>Wirf einfach einen Blick auf die folgende, m\u00f6glichst verst\u00e4ndliche <strong>Zusammenfassung der wichtigsten Studien<\/strong>. Ich erwarte zwar nicht, dass ich dich g\u00e4nzlich umstimmen kann, aber ich hoffe zumindest, dass ich Meinungen herausfordern und einen interessanten Input anbieten kann. Los geht&#8217;s&#8230;<\/p><p style=\"margin-top: 0; margin-bottom: 0;\">Hinweis: Einige der folgenden Ideen wurden bereits in meiner \u00dcbersicht \u00fcber die Leitlinien zum Umgang mit Adipositas ver\u00f6ffentlicht<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/31286668\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1<\/a><\/sup> und in meinen Artikeln im Lancet<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(16)31361-7\/fulltext\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2<\/a><\/sup> und NEJM<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/10.1056\/NEJMc1701944\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">3<\/a>,<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/10.1056\/NEJMc1708176\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4<\/a><\/sup>. Im April 2024 durfte ich dieses Thema als Keynote beim European Young Family Doctors&#8216; Movement pr\u00e4sentieren:<\/p><p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5869 size-large\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-14-um-23.04.59-e1715721046447-1024x391.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-14-um-23.04.59-e1715721046447-1024x391.png 1024w, https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-14-um-23.04.59-e1715721046447-300x115.png 300w, https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-14-um-23.04.59-e1715721046447-768x293.png 768w, https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-14-um-23.04.59-e1715721046447-1536x586.png 1536w, https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-14-um-23.04.59-e1715721046447-2048x782.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">1. <strong>Warum ist Adipositas-Management frustrierend? Weil wir die Evidenz oftmals ignorieren.<\/strong><\/h2><p>Mein Zugang zu diesem Artikel ist dabei recht simpel. Ich habe einfach versucht, die wichtigsten klinischen Fragen mit der besten verf\u00fcgbaren Evidenz zu beantworten. Es gibt zwar Tausende von Studien zum Thema Adipositas, aber ich wollte nur die <strong>aussagekr\u00e4ftigsten Studien<\/strong> ausw\u00e4hlen, indem ich folgende Priorit\u00e4ten setzte:<\/p><ul><li>Systematische \u00dcbersichtsarbeiten statt Einzelstudien (um &#8222;Rosinenpickerei&#8220; zu vermeiden).<\/li><li>Interventionsstudien statt Beobachtungsstudien (zur Beurteilung der Kausalit\u00e4t).<\/li><li>Langfristige Studien statt kurzfristigen Studien (um relevanter zu sein).<\/li><li>Klinische Endpunkte statt &#8222;intermediate outcomes&#8220; (um klinisch relevant zu sein).<\/li><\/ul><p>Mit anderen Worten, anstatt einige Studien zu zitieren, die best\u00e4tigen, was ich bereits glaube, zeige ich dir einfach <strong>alle wichtigen Studien<\/strong>, damit du dir selbst ein Bild machen kannst (wirklich alle; wenn ich eine sehr wichtige vergessen habe, schreib mir bitte ein E-Mail). Interessant ist, dass die Ergebnisse dieser Studien ziemlich klar zeigen, dass <strong>unser &#8222;normales&#8220; Adipositas-Management falsch liegt<\/strong>&#8230;<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">2. <strong>Was verursacht Adipositas? Nicht das, was unser Hausverstand denkt.<\/strong><\/h2><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ist Adipositas auf mangelnde Willenskraft (oder gar mangelnde Intelligenz) zur\u00fcckzuf\u00fchren?<br \/><\/strong><\/h3><p>Um ehrlich zu sein, wei\u00df ich, dass viele (die meisten?) meiner medizinischen Kollegen glauben, dass das hier die Ursache der &#8222;Adipositas-Epidemie&#8220; ist:<\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Obesity_causes-1024x329.png\" alt=\"\" \/><\/figure><p>Es ist ziemlich klar, dass mangelnde <strong>Intelligenz<\/strong> den Anstieg von Adipositas nicht erkl\u00e4ren kann. Warum nicht? Werfen wir einen Blick auf die folgende Grafik, die zeigt, dass die Intelligenz im letzten Jahrhundert stark zugenommen hat, was als &#8222;Flynn-Effekt&#8220; bezeichnet wird:<\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bildschirmfoto-2024-04-12-um-18.59.10-1024x472.png\" alt=\"\" \/><\/figure><p>Kann <strong>Willenskraft<\/strong> den Anstieg der Fettleibigkeit erkl\u00e4ren? Nein. Warum nicht? Sieh dir einfach die folgende Grafik an und frage dich selbst:<\/p><ul><li>Wie k\u00f6nnte Willenskraft den <strong>pl\u00f6tzlichen Anstieg<\/strong> von Adipositas Mitte der 1970er Jahre in den USA erkl\u00e4ren?<\/li><li>Wie k\u00f6nnte die Willenskraft bei <strong>beiden Geschlechtern <\/strong><b>und in <strong>allen Altersgruppen<\/strong> gleichzeitig abgenommen haben?<\/b><\/li><\/ul><p>Auf diese Fragen gibt es wohl keine guten Antworten. Es scheint viel plausibler zu sein, dass (pl\u00f6tzliche und landesweite!) Ver\u00e4nderungen der Nahrungsmittelindustrie wie die US-Agrargesetze der 1970er Jahre (die die Produktion, Verf\u00fcgbarkeit und Erschwinglichkeit von energiedichten Lebensmitteln erh\u00f6hten) zum Anstieg von Adipositas gef\u00fchrt haben.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lanpub\/article\/PIIS2468-2667(18)30021-5\/fulltext\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">5<\/a><\/sup><\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bildschirmfoto-2024-04-12-um-19.11.40-1024x560.png\" alt=\"\" \/><\/figure><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wird Adipositas durch &#8222;schlechte&#8220; Gene verursacht?<\/strong><\/h3><p>Das kommt darauf an. Da sich der Genpool kaum ver\u00e4ndert, kann dies auch nicht den bereits erw\u00e4hnten Anstieg von Adipositas in den USA erkl\u00e4ren. Die folgende (bemerkenswerte!) Grafik deutet jedoch darauf hin, dass Gene <strong>weitgehend erkl\u00e4ren<\/strong> k\u00f6nnen, warum manche Menschen adip\u00f6s sind und andere nicht:<\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Obesity_genetic_predisposition-1024x573.png\" alt=\"\" \/><\/figure><p>Die zugrunde liegende Studie<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/31002795\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">6<\/a><\/sup> basiert auf 290.000 Teilnehmern der UK Biobank und inkludiert 2,1 Millionen unterschiedliche Genvarianten. Diese Studie zeigt, dass &#8222;schlechte&#8220; verglichen mit &#8222;guten&#8220; Genen die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr schwere Adipositas um das <strong>25-fache (!)<\/strong> und f\u00fcr Adipositas um das 4-fache erh\u00f6hen sowie das Durchschnittsgewicht um 13 kg steigern. Trotz dieser starken Assoziationen sind Gene jedoch <strong>nicht &#8222;schicksalhaft&#8220;<\/strong>, denn 17% der Personen mit den ung\u00fcnstigsten Genen haben immer noch ein normales Gewicht und die meisten davon (56%) sind nicht adip\u00f6s. Der Lebensstil ist immer noch wichtig, aber definitiv nicht alles.<\/p><p>Dar\u00fcber hinaus kam ein aktueller Review im Journal Obesity<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1002\/oby.23116\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">7<\/a><\/sup> zu dem Schluss, dass sogar <strong>70%-80% der Gewichtsvarianz genetisch bedingt <\/strong> sein k\u00f6nnte (laut Zwillingsstudien, w\u00e4hrend Adoptionsstudien und Studien zu Kernfamilien niedrigere Werte ergaben; ein anderer Review<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/22645519\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">8<\/a><\/sup> kam zu \u00e4hnlichen Ergebnissen). Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieses genetischen Risikos ist auf viele verschiedene Gene verteilt, denn bis 2020 wurden mehr als 1.100 Genloci f\u00fcr Adipositas identifiziert.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41576-021-00414-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">9<\/a><\/sup> Aber auch einzelne Gene k\u00f6nnen relevant sein, wie das FTO-Gen, das das Hormon Ghrelin und damit das Hungergef\u00fchl reguliert. Varianten dieses Gens kommen bei einem von sechs europ\u00e4ischen M\u00e4nnern vor und erh\u00f6hen das Adipositasrisiko um 70%.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.jci.org\/articles\/view\/44403\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">10<\/a><\/sup><\/p><p>Hier m\u00f6chte ich auch eine andere Ursache von Adipositas erw\u00e4hnen, die ebenfalls (grunds\u00e4tzlich) au\u00dferhalb unserer Kontrolle liegt: das Darm-Mikrobiom. Im Jahr 2023 kam ein Nature Review zu dem Schluss, dass &#8222;wir jetzt verstehen, dass die <strong>Darmbakterien den Energiehaushalt erheblich beeinflussen,<\/strong> durch verschiedene Mechanismen&#8220;<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41579-023-00888-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">11<\/a><\/sup> und ein anderer Review erkl\u00e4rte, dass &#8222;die Darmbakterien direkte Auswirkungen auf die Verdauung, die Absorption und den Stoffwechsel der Nahrung haben und das K\u00f6rpergewicht beeinflussen, indem sie den Stoffwechsel, den Appetit, den Gallens\u00e4urestoffwechsel sowie das Hormon- und Immunsystem modulieren&#8220;.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41574-022-00794-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">12<\/a><\/sup>.<\/p><p><em>Zusammenfassend<\/em> l\u00e4sst sich sagen, dass das &#8222;adipogene Umfeld&#8220; das Durchschnittsgewicht einer Gesellschaft steigert und damit die &#8222;Adipositas-Epidemie&#8220; erkl\u00e4ren kann. Aber Gene und Darmbakterien bestimmen weitgehend, ob das Gewicht eines Individuums \u00fcber oder unter dem Durchschnitt liegt. Wie Philip F. Smith (NIH) so sch\u00f6n sagte, <strong>&#8222;Adipositas ist zu 80% genetisch und zu 100% umweltbedingt&#8220;. <\/strong> Das ist mMn der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Ursachen von Adipositas.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">3. <strong>Wie soll man Adipositas behandeln? Die meisten Haus\u00e4rzte wenden leider unwirksame Interventionen an und vernachl\u00e4ssigen wirksame.<\/strong><\/h2><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Abnehmen durch weniger Essen. Oder nicht?<\/strong><\/h3><p>Wenn der erste Hauptsatz der Thermodynamik immer noch stimmt, dann kann niemand zunehmen, ohne mehr zu essen als zu verbrauchen. <strong>Kalorien rein, Kalorien raus. Das sagt die Physik. <\/strong>Das bedeutet jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig, dass die Empfehlung &#8222;weniger essen und mehr bewegen&#8220; eine wirksame Empfehlung zur Gewichtsabnahme w\u00e4re! Warum nicht? Es ist einfach nicht so logisch (und weder praktisch noch evidenzbasiert), wie es auf den ersten Blick scheint&#8230;<\/p><p><em>Rechnen wir einfach mal nach. <\/em>Jemand hat 20 kg \u00dcbergewicht. Er hat dieses Gewicht in den letzten 20 Jahren zugenommen. Wie viel hat er im Durchschnitt pro Tag zu viel gegessen?<\/p><ul><li>1 kg K\u00f6rperfett hat 7.700 kcal<\/li><li>20 kg K\u00f6rperfett haben 154.000 kcal<\/li><li>Um in 20 Jahren (7.305 Tagen) 20 kg K\u00f6rperfett zuzulegen, muss man t\u00e4glich nur <strong>21 kcal <\/strong> zu viel essen!<\/li><\/ul><p>Kannst du deine heutige Kalorienbilanz mit einer Genauigkeit von 21 kcal absch\u00e4tzen? Oder von 210 kcal? Wenn du das nicht kannst, dann ist &#8222;eine negative Energiebilanz&#8220; wohl auch f\u00fcr deine Patienten kein praktikabler Ansatz. Um seine &#8222;Energiebilanz&#8220; zu berechnen, muss man au\u00dferdem noch den eigenen <strong>Energieverbrauch<\/strong> ganz genau kennen. Ich habe meine eigenen Daten in die Online-Kalorienrechner des NIH<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.niddk.nih.gov\/bwp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">13<\/a><\/sup> und der Mayo-Klinik<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.mayoclinic.org\/healthy-lifestyle\/weight-loss\/in-depth\/calorie-calculator\/itt-20402304\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">14<\/a><\/sup> eingegeben. Dabei erhielt ich komplett unterschiedliche Ergebnisse (ein Unterschied von <strong>725 kcal pro Tag<\/strong>, der hypothetisch zu einer Gewichtszunahme oder -abnahme von 35 kg (!) pro Jahr f\u00fchren w\u00fcrde):<\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Energy_expenditure-1024x484.png\" alt=\"\" \/><\/figure><p>Auf der anderen Seite der &#8222;Energiebilanz&#8220;-Gleichung steht die pers\u00f6nliche <strong>Energieaufnahme<\/strong>. Auch diese m\u00fcsste man ganz genau kennen. Hier sind einige Vergleiche, die die meisten von uns wahrscheinlich falsch einsch\u00e4tzen:<\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Energy_intake-1024x296.png\" alt=\"\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quellen: Cartergood<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/cartergood.com\/cant-stop-overeating\/carters-calorie-comparison-7-apple-bees-salad-and-ribs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">15<\/a><\/sup>(von Applebee&#8217;s) und movingdietitian<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/movingdietitian\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">16<\/a> <br \/><\/sup><\/figcaption><\/figure><p><em>Zusammenfassend<\/em> l\u00e4sst sich sagen, dass man zwar nicht zunehmen kann, ohne zu viel zu essen, aber eine &#8222;negative Energiebilanz&#8220; ist <strong>keine praktikable Empfehlung<\/strong> f\u00fcr Patienten. Selbst die besten Sch\u00e4tzungen der Energiezufuhr und des Energieverbrauchs sind einfach viel zu ungenau, um n\u00fctzlich zu sein.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie kann man also nachweislich abnehmen?<\/strong><\/h3><p>Sind Ma\u00dfnahmen zur Gewichtsabnahme in der <strong>Prim\u00e4rversorgung<\/strong> wirksam? Ja, falls man mit kurzfristigen Erfolgen zufrieden ist. Ein aktueller Review im BMJ (2022)<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.bmj.com\/content\/377\/bmj-2021-069719\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">17<\/a><\/sup> umfasste 34 Studien in der Prim\u00e4rversorgung mit ziemlich intensiven Interventionen (jeder Patient erhielt im Median 12 Lebensstil-Einheiten). Nach einem Jahr hatten die Patienten im Durchschnitt 2,3 kg abgenommen, nach zwei Jahren blieben noch 1,8 kg. Einen l\u00e4ngeren Beobachtungszeitraum gab es nicht. Aber wie sieht es mit Studien zur <strong>langfristigen Gewichtsabnahme<\/strong> aus, da es oftmals zum ber\u00fchmten Jo-Jo Effekt kommt? Meine eigene Literaturrecherche hat nur drei (!) Studien mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens drei Jahren gefunden. Wenn du eine weitere derartige Studie kennst, kontaktiere mich bitte (in den zehn Jahren, in denen ich dieses Thema unterrichte, wurde mir noch keine weitere Studie bekanntgegeben). Hier sind diese Studien in einer Grafik zusammengefasst:<\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bildschirmfoto-2024-04-12-um-19.09.09-1024x591.png\" alt=\"\" \/><\/figure><p>W\u00e4hrend sich nach einem Jahr relevante Effekte zeigten, ist der Gewichtsverlust nach f\u00fcnf Jahren (2-5 kg) nur bescheiden. Manche halten diese kleinen Effekte f\u00fcr klinisch relevant, andere nicht. Bedenke jedoch, dass diese geringen Effekte durch sehr intensive und kontinuierliche Lebensstilinterventionen erreicht wurden (<strong>&gt;<\/strong>jeweils 120 Lebensstil-Sitzungen in der <em>Lancet-Studie<\/em> und der <em>Adipositas-Studie<\/em>), die Patienten im wirklichen Leben normalerweise nicht erhalten k\u00f6nnen.<\/p><p>Wahrscheinlich kennst du jedoch einen Patienten, der seinen Gewichtsverlust langfristig beibehalten konnte. Ja, f\u00fcr <strong>manche Menschen<\/strong> ist das m\u00f6glich. Die Adipositas-Studie 2014<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/oby.20662\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">18<\/a><\/sup> zeigte, dass von denjenigen, die im ersten Jahr \u226510% ihres Gewichts verloren hatten, fast 40% in der Lage waren, ihren Gewichtsverlust von etwa 15% bis zum achten Jahr zu halten. Aber andere haben danach sogar zugenommen. Im Durchschnitt verloren die Teilnehmer weniger als 5 kg.<\/p><p><strong>=&gt; W\u00e4ren intensive Ma\u00dfnahmen zur Gewichtsabnahme ein Medikament, w\u00fcrden sie wahrscheinlich keine FDA\/EMA-Zulassung erhalten (wegen des Mangels an klinisch signifikanter, langfristiger Wirksamkeit).<\/strong><\/p><p>Warum ist eine langfristige Gewichtsabnahme so schwer zu halten? Ein Grund daf\u00fcr ist die <strong>hormonelle Gegenregulation<\/strong>. Ein Jahr nach einer Gewichtsabnahme sind die Werte von Leptin, Peptid YY, Cholecystokinin, Insulin, Ghrelin, glukoseabh\u00e4ngige insulinotrope Polypeptid und pankreatisches Polypeptid immer noch deutlich ver\u00e4ndert, was zu einem kontinuierlich verst\u00e4rkten Hungergef\u00fchl und damit zu einer kontinuierlichen Gewichtszunahme f\u00fchrt. Mit anderen Worten: Unser K\u00f6rper versucht hartn\u00e4ckig sein Zielgewicht zu erreichen.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/10.1056\/NEJMoa1105816\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">19<\/a><\/sup> Andere Gr\u00fcnde sind, dass unsere Willenskraft begrenzt ist (vor allem auf lange Sicht) und dass <strong>Gene, Darmbakterien und die adipogene Umgebung<\/strong> &#8211; die zuvor zur Adipositas gef\u00fchrt haben &#8211; weiterhin ihren Einfluss aus\u00fcben.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was empfehlen Leitlinien zur Behandlung von Adipositas?<\/strong><\/h3><p>Vor einigen Jahren habe ich einen Systematic Review \u00fcber evidenzbasierte Guidelines erstellt<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/31286668\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1<\/a><\/sup> um diese Frage zu beantworten. Interessanterweise haben wir einen <strong>klaren Konsensus<\/strong> zur Behandlung von \u00dcbergewicht und Adipositas in der Prim\u00e4rversorgung festgestellt. Laut Leitlinien sollen Patienten an einem multidisziplin\u00e4ren Lebensstilprogramm teilnehmen, das weniger essen, mehr Sport und Verhaltens\u00e4nderungen beinhaltet. Pharmakologische Ma\u00dfnahmen (bevor GLP-1-Rezeptor-Agonisten aufkamen) wurden nur zus\u00e4tzlich zu einem Lebensstilprogramm empfohlen und eine bariatrische Operation nur dann, wenn alle nicht-chirurgischen Interventionen versagt haben. Ich bin zwar den Experten dankbar, die diese umfassenden Leitlinien entwickelt haben, aber ich bin skeptisch, dass diese langfristig gesehen wirksam sind. Au\u00dferdem glaube ich, dass es einen viel besseren Ansatz als &#8222;weniger essen, mehr Sport&#8220; gibt (siehe &#8222;Schlussfolgerung&#8220; unten).<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Rolle spielen die neuen Medikamente zur Gewichtsabnahme, die GLP-1-Rezeptor-Agonisten?<\/h3><p>Dazu gibt es viel zu sagen! Deshalb habe ich einen eigenen Blogartikel dar\u00fcber geschrieben: <a title=\"Die wichtigsten Fakten, die Haus\u00e4rzte \u00fcber GLP-1-Analoga wissen sollten\" href=\"https:\/\/family-medicine.org\/de\/blog\/semaglutid\/\"><strong>Die wichtigsten Fakten, die Haus\u00e4rzte \u00fcber GLP-1-Agonisten wissen sollten.<\/strong><\/a><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-b1805a7 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"b1805a7\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<iframe style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto; max-width: 100%;\" src=\"https:\/\/42d6c9ff.sibforms.com\/serve\/MUIFAIeGuY623P4Jrg81ZwDotf5r6EBo18yecw0EVzGfFnSlDLWNN0q6q6ZV2h-6gFo99EeD_eqkFOGKFpgElyJLfqEBvPs2ihCNaQzWmOXKs3poDVvosV6nnMvNwHo3oBnY8_Kv1JeVSP4EP9kWwMWFJL_ZrDcao_YD8p90iemmsk8PY0ilPp7_d8F86IxzAErq1_ghD9JHs4jY\" width=\"540\" height=\"805\" frameborder=\"0\" scrolling=\"auto\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><\/iframe>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-3976e9b elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"3976e9b\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h2 class=\"wp-block-heading\">4. <strong>Wie sch\u00e4dlich ist Adipositas? Adipositas selbst ist weniger sch\u00e4dlich, unsere \u00e4rztliche Einstellung ist jedoch oftmals sch\u00e4dlicher, als wir denken.<\/strong><\/h2><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie sch\u00e4dlich ist Fettleibigkeit eigentlich?<br \/><\/strong><\/h3><p>Die besten systematischen \u00dcbersichtsarbeiten zeigen, dass Adipositas sch\u00e4dlich ist, aber wahrscheinlich weniger als du denkst. Die untenstehende Grafik zeigt, dass zwei gro\u00dfe Systematic Reviews \u00fcbereinstimmend zu dem Schluss kommen, dass Adipositas Grad 1, 2 und 3 mit einer um <strong>45%, 90% und 160% erh\u00f6hten Sterblichkeit<\/strong> verbunden ist. Ein anderer gro\u00dfer Systematic Review zeigt jedoch sogar ein leicht <strong>reduziertes (!) Sterberisiko<\/strong> f\u00fcr \u00dcbergewicht und Adipositas Grad 1. Was sind die Ursachen f\u00fcr diese Unterschiede? Alle Untersuchungen wurden von weltweit f\u00fchrenden Epidemiologen durchgef\u00fchrt, aber ihre methodischen Entscheidungen dar\u00fcber, wie die Daten zu analysieren sind, waren einfach unterschiedlich (wenn du an Forschungsmethoden interessiert bist, kann ich empfehlen tiefer in diese Debatte einzutauchen, indem du die ver\u00f6ffentlichte Correspondence zu ihren Artikeln liest).<\/p><figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/family-medicine.org\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bildschirmfoto-2024-04-12-um-19.04.43-1024x605.png\" alt=\"\" \/><\/figure><p>Wie gef\u00e4hrlich ist Adipositas im Vergleich zum Rauchen? Selbst wenn wir die konservativeren Sch\u00e4tzungen der JAMA-Studie au\u00dfer Acht lassen, ist nur die Sterblichkeitsrate bei einem BMI&gt;40 (+160%) vergleichbar mit dem Rauchen von \u226525 Zigaretten pro Tag (+161%, laut der 50-j\u00e4hrigen Beobachtung der British Doctors Study<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.bmj.com\/content\/328\/7455\/1519.long\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">20 <\/a><\/sup>die auch zeigte, dass Raucher 10 Jahre fr\u00fcher sterben, aber dass diejenigen, die bis zum Alter von 40 Jahren aufh\u00f6ren, 9 dieser Jahre zur\u00fcckgewinnen!).<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie relevant sind hier Vorurteile und Stigmatisierung?<\/strong><\/h3><p>Ein Review kam zu dem Schluss, dass &#8222;viele \u00c4rzte <strong>starke negative Einstellungen und Klischeebilder<\/strong> \u00fcber Menschen mit Adipositas haben&#8220;.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4381543\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">21<\/a><\/sup> Ein anderer Review best\u00e4tigte (bei gleichzeitiger Kritik an der Gesamtqualit\u00e4t der Evidenz) einen impliziten und expliziten <strong>Gewichts-Bias<\/strong>.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/34490738\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">22<\/a><\/sup> Dies kann zu einer schlechteren Diagnose und Behandlung und damit zu Misstrauen gegen\u00fcber \u00c4rzten, Vermeidung von Behandlungen und mangelnder Compliance f\u00fchren. Au\u00dferdem verinnerlichen viele adip\u00f6se Patienten solche Einstellungen und <strong>werten sich selbst ab<\/strong>, was zu negativen Folgen f\u00fcr die psychische Gesundheit f\u00fchren kann.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/obr.12701\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">23<\/a><\/sup> Ich stimme daher mit Partha Kar (Diabetes Co-Leiter des NHS England) \u00fcberein, dass &#8222;Body Shaming&#8220; zwar \u00fcblich, aber nicht akzeptabel ist.<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.bmj.com\/content\/364\/bmj.l1222.long\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">24<\/a><\/sup><\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">5. <strong>Was ist also meine Schlussfolgerung? Wir k\u00f6nnten effektiver, weniger sch\u00e4digend und weniger frustriert sein.<\/strong><\/h2><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h3><ul><li>Der Anstieg von Adipositas ist weder auf mangelnde <strong>Intelligenz<\/strong> noch auf mangelnde <strong>Willenskraft<\/strong> zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/li><li>Der Anstieg von Adipositas ist (wahrscheinlich) auf ein <strong>adipogenes Umfeld<\/strong> zur\u00fcckzuf\u00fchren, das ungesunde Lebensmittel f\u00f6rdert.<\/li><li>Auch wenn <strong>Genetik<\/strong> und <strong>Darmbakterien<\/strong> die &#8222;Adipositas-Epidemie&#8220; nicht verursacht haben, sind sie ein entscheidender individueller Risikofaktor f\u00fcr Adipositas (aber Gene sind kein Schicksal).<\/li><li>Zwar kann niemand ohne eine positive Energiebilanz Gewicht zunehmen, aber Patienten eine <strong>negative Energiebilanz<\/strong> zu empfehlen, ist kein praktikabler oder wirksamer Ratschlag.<\/li><li>Studien zur Gewichtsabnahme zeigen, dass selbst <strong>sehr intensive und kontinuierliche Lebensstilinterventionen<\/strong> nach f\u00fcnf Jahren kaum noch wirksam sind.<\/li><li>Die <strong>Aufrechterhaltung<\/strong> der Gewichtsabnahme ist schwierig, weil Willenskraft begrenzt ist und weil Gene, Darmbakterien und die adipogene Umgebung immer noch ihren Einfluss aus\u00fcben.<\/li><li><strong>Internationale Leitlinien<\/strong> zur Behandlung von Adipositas sind sich einig, dass eine negative Energiebilanz der wichtigste Ansatz w\u00e4re (aber ich bin anderer Meinung, aufgrund der oben genannten Evidenz).<\/li><li>Adipositas ist weniger sch\u00e4dlich, als du vermutlich denkst, aber zumindest ein <strong>BMI &gt;40<\/strong> ist vergleichbar mit dem Rauchen von \u226525 <strong>Zigaretten pro Tag<\/strong>.<\/li><li><strong>Gewichts-Bias und Stigmatisierung<\/strong> untergraben das Vertrauen in \u00c4rzte und schaden den Patienten physisch und psychisch.<\/li><\/ul><h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was ist meine Schlussfolgerung?<\/strong><\/h3><p>Man k\u00f6nnte nun erwarten, dass meine Schlussfolgerung pessimistisch w\u00e4re. Immerhin sind Gene wichtig und eine langfristige Gewichtsabnahme ist schwierig. Aber ganz im Gegenteil, ich bin sehr optimistisch, denn vieles kann deutlich verbessert werden:<\/p><ul><li><em>Heute<\/em> empfehlen die meisten \u00c4rzte ihren Patienten, &#8222;einfach weniger zu essen&#8220; und &#8222;einfach abzunehmen&#8220;. <strong>Das funktioniert nicht (und du wei\u00dft das wahrscheinlich). <\/strong><\/li><li><em>Heute<\/em> versuchen die meisten adip\u00f6sen Patienten zumindest einmal &#8222;weniger zu essen und abzunehmen&#8220;. Dann nehmen sie wieder zu, sind oft <strong>entt\u00e4uscht und geben auf<\/strong>.<\/li><li><em>Heute<\/em> <strong>sch\u00e4men sich<\/strong> die meisten adip\u00f6sen Patienten f\u00fcr ihren K\u00f6rper. Viele \u00c4rzte f\u00f6rdern dieses negative Selbstbild.<\/li><li>Was w\u00e4re, wenn wir die <em>Evidenz ernst nehmen<\/em> und <strong>aufh\u00f6ren<\/strong>, einen Ansatz (negative Energiebilanz) zu empfehlen, der nicht funktioniert (basierend auf Langzeitstudien, trotz sehr intensiver und kontinuierlicher Lebensstilinterventionen)?<\/li><li>Was w\u00e4re, wenn wir die <em>Evidenz ernst nehmen<\/em> und einfach eine k\u00f6stliche <strong>mediterrane Ern\u00e4hrung<\/strong> empfehlen, die bei prim\u00e4rer<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/10.1056\/NEJMoa1800389\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">25<\/a><\/sup> und sekund\u00e4rer<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(22)00122-2\/fulltext\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">26<\/a><\/sup> kardiovaskul\u00e4rer Pr\u00e4vention (ca. 30% und 26% weniger schwere kardiovaskul\u00e4re Ereignisse) und m\u00f6glicherweise bei Depressionen<sup><a title=\"\" href=\"https:\/\/academic.oup.com\/nutritionreviews\/article-abstract\/81\/7\/889\/7079098\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">27 <\/a><\/sup> wirksam ist? Diese kann unabh\u00e4ngig vom Gewicht empfohlen werden, &#8222;nur&#8220; um <strong>Gesundheit und Wohlbefinden<\/strong> zu verbessern (ohne dabei zu Frustration zu f\u00fchren).<\/li><li>Was w\u00e4re, wenn wir die <em>Evidenz ernst nehmen<\/em> und aufh\u00f6ren, den Patienten die Schuld f\u00fcr eine Krankheit zu geben, die haupts\u00e4chlich durch <strong>ungl\u00fcckliche Gene<\/strong> und <strong>Darmbakterien<\/strong> (und nicht durch Dummheit oder Faulheit) verursacht wird? Vielleicht bist du hier anderer Meinung, aber wissenschaftliche <sup>Reviews<a title=\"\" href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1002\/oby.23116\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">7<\/a>,<a title=\"\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/22645519\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">8<\/a>,<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41579-023-00888-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">11<\/a>,<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41574-022-00794-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">12<\/a><\/sup> unterst\u00fctzen diese Aussagen.<\/li><li>Was w\u00e4re, wenn wir die <em>Evidenz ernst nehmen<\/em> und beginnen, unsere <strong>adipogene Umwelt<\/strong> zu ver\u00e4ndern? Schulbuffets voller Fast Food und Superm\u00e4rkte voller billiger Kalorien sind keine unver\u00e4nderlichen Naturgesetze. &#8222;Die gesunde Wahl zur leichten Wahl machen&#8220; w\u00fcrde die eigentlichen Ursachen der Adipositas-Epidemie bek\u00e4mpfen, anstatt nur adip\u00f6sen Patienten die Schuld zu geben.<\/li><\/ul><figure><table><tbody><tr><td>\u00a0<\/td><td><strong>Schlechte Medizin<\/strong> <strong><br \/>(meinungsbasiert)<\/strong><\/td><td><strong>Gute Medizin<\/strong> <strong><br \/>(evidenzbasiert)<\/strong><\/td><\/tr><tr><td rowspan=\"2\"><strong>Ursachen<\/strong><\/td><td>Genetik ignorieren<\/td><td>Genetik akzeptieren<\/td><\/tr><tr><td>Lebensmittelqualit\u00e4t ignorieren<\/td><td>Essgewohnheiten erheben<\/td><\/tr><tr><td><strong>L\u00f6sungen<\/strong><\/td><td>Weniger essen, abnehmen!<\/td><td>Gesund essen!<\/td><\/tr><tr><td><strong>Einstellung<\/strong><\/td><td>Vorw\u00fcrfe\u2026<\/td><td>Motivation\u2026<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p><strong>Meine Schlussfolgerung: Empfehlen wir unseren Patienten einfach einen gesunden Lebensstil (mediterrane Ern\u00e4hrung und k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t). Nicht, um abzunehmen und dadurch frustriert zu werden, sondern um ein gesundes und gl\u00fcckliches Leben zu f\u00fchren. Au\u00dferdem sollten wir aufh\u00f6ren, adip\u00f6sen Patienten die Schuld f\u00fcr eine krankmachendes Nahrungsmittelsystem zu geben.<\/strong><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten \u00c4rzte behandeln Adiposits basierend auf Meinungen, nicht auf wissenschaftlicher Evidenz. 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